Heizregime

 

Das Heizregime (Betriebsweise) und das Betriebsverhalten einer Heizungsanlage sind untrennbar miteinander verbunden.

 

Das Heizregime ist dabei die Art, wie eine Heizungsanlage vordefiniert betrieben wird, während das Betriebsverhalten eine Reaktion auf die einwirkenden Randbedingungen darstellt. Heizregime können nach zeitlicher Nutzung unterschieden werden:

 

Dauerbetrieb
Beim Dauerbetrieb werden alle zu beheizenden Räume eines Wohngebäudes zeitunabhängig innerhalb eines Tagesverlaufs nach bedarfsgerechter Regelungseinstellung dauerhaft betrieben.
Diese Betriebsart ist für gut bis sehr gut gedämmte Gebäude geeignet (geringe Heizlasten). Die Energieversorgung erfolgt auf niedrigem Energieniveau entsprechend dem jeweiligen, tatsächlichen Energiebedarf. Es existieren keine Komforteinschränkungen hinsichtlich der gewünschten Raumtemperatur.

 

Absenkbetrieb
Hier wird die Raumtemperatur aller Räume, insbesondere in der nächtlichen Ruhephase oder bei Abwesenheit, um wenige Grad abgesenkt.
Die Absenktemperatur ist u.a. abhängig vom Speichervermögen des Gebäudes und der Trägheit des Heizsystems.

 

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Die theoretischen Einsparungen sind tatsächlich meist nicht zu erreichen. Sie sind abhängig vom Dämmstandard des Gebäudes und der Gesamtflexibilität des Heizsystems.
Absenkbetrieb ist besonders für Gebäude mit mäßigem bis mittlerem Dämmstandard geeignet (mittlere Heizlasten).
Kleine Komforteinschränkungen hinsichtlich der gewünschten Raumtemperatur können in Aufheizphasen auftreten.
Bei nicht modulierenden Wärmeerzeugern kann sich die Anlagenaufwandszahl verschlechtern und hierdurch den beabsichtigten Energieeinspareffekt konterkarieren.

 

achtung
Durch Aufheizprogramme mit Erhöhung der Vorlauftemperatur, wird die beabsichtigte Energieeinsparung reduziert.
Statt Vorlauftemperaturerhöhung sollte eher die Absenkzeit reduziert werden.
Bei Absenkbetrieb ist die Kondensationsproblematk an Außenwänden zu beachten
(Schimmelgefahr).

 

Abschaltbetrieb
Beim Abschaltbetrieb wird die gesamte Heizungsanlage zeitweise vollständig außer Betrieb genommen.
Das erfolgt in nächtlichen Ruhephasen, Abwesenheit in der Übergangsphase bis zur Heizgrenze.
Abschaltbetrieb ist besonders für Gebäude mit schlechtem bis mäßigem Dämmstandard geeignet (hohe Heizlasten).
Komforteinschränkungen hinsichtlich der gewünschten Raumtemperatur können in Aufheizphasen auftreten.

 

achtung
Durch Abschaltbetrieb wird die Anlagenaufwandszahl nicht negativ beeinflusst.
Durch Aufheizprogramme mit Erhöhung der Vorlauftemperatur, wird die beabsichtigte Energieeinsparung reduziert.
Statt Vorlauftemperaturerhöhung sollte eher die Abschaltzeit reduziert werden.
Bei Abschaltbetrieb ist die Kondensationsproblematk an Außenwänden zu beachten
(Schimmelgefahr).

 

Beliebiger Heizbetrieb
Mit dem Beliebigen Heizbetrieb (ad libitum) können alle zuvor genannten Betriebsarten realisiert werden.
Anders ist hier jedoch, dass nicht eine zentrale Betriebseinstellung in der Regelung vorgenommen wird, sondern diese raumweise (dezentral) erfolgt.
Im einfachsten Fall wird das manuell an Heizkörperthermostatventilen realisiert.
Mittlerweile erscheinen auf dem Markt immer mehr elektronische Modelle. Diese sind mit „intelligenten" Systemen ausgestattet, welche die Temperatur überwachen und die individuell am Heizkörper abgegebene Heizleistung automatisch steuern, was mitunter auch mittels Smartphone funktioniert.
Es werden zwar Energieeinsparungen prognostiziert, belastbare Praxisuntersuchungen (Validierungen) sind jedoch nicht bekannt.

 

Tatsächliche Intelligenz ist jedoch absolut nicht vorhanden, da der zentrale Wärmeerzeuger über die Regelung keinerlei Informationen (Rückmeldung) über den dezentralen, unterschiedlichen Bedarfszustand aller Ventile erhält. Es kommt zu insgesamt unkontrollierten Bedarfsänderungen mit negativen Auswirkungen. Z.B.:

 

- Ein möglicherweise zuvor mit Fördermitteln mühsam durchgeführter Hydraulischer Abgleich wird hierdurch
 „ausgehebelt" bzw. wirkungslos.
- Überströmventile öffnen, um den Mindestvolumenstrom des Wärmeerzeugers zu garantieren.
  Die Anlagenaufwandszahl verschlechtert sich.
- Das energetisch schädliche Takten des Wärmeerzeugers nimmt zu.

 

achtung
Der Beliebige Heizbetrieb (ad libitum) ist keine energieeffiziente Maßnahme.

 

Betriebsverhalten

Das Betriebsverhalten einer Heizungsanlage wird von den beeinflussenden Randparametern bestimmt.
Hieran lässt sich qualitativ und quantitativ, wenn Logdateien vorliegen, die Energieeffizienz einer Anlage beurteilen (Anlagenaufwandszahl).
Eine nahezu „Volkskrankeit" bei Heizungsanlagen ist das Takten (ON/OFF Betrieb), hervorgerufen durch Überdimensionierg.
Das passiert, wenn vom Wärmeerzeuger mehr Leistung bzw. Energie bereitgestellt wird, als die Verbraucher abnehmen können.
Wärmeerzeuger müssen einen Leistungsbereich von Tiefsttemperaturen bis zur Heizgrenze abdecken, stets sicher und zuverlässig Heizwärme bereitstellen und insgesamt energieeffizient arbeiten.
Übermäßiges Takten führt u.a. zu überhöhten Verbrauchskosten, vorzeitigem Verschleiß.

 

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Das Verhältnis der maximalen, bereitgestellten Wärmeenergie zur Σ momentan, benötigter Wärme entspricht dem Verhältnis Σ Betriebszeit/ Einschaltdauer (Anlagenauslastung).

 

achtung
Überdimensionierungen sind dringend zu vermeiden, weshalb eine fachgerechte Heizlastberechnung unumgänglich ist.
Je höher die Anlagenauslastung, je energieeffizienter der Heizbetrieb.